Große Baustelle mit Kränen und Gerüsten rund um ein modernes öffentliches Gebäude, realisiert mit BIM
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    BIM im öffentlichen Vergabewesen

    BIM im öffentlichen Vergabewesen in Polen - BIM-Mandat, Roadmap und praktische Konsequenzen

    Öffentliche Ausschreibungen mit BIM-Anforderung sind keine Frage des „ob“ mehr, sondern des „wann“. Was heute gilt, was kommt und was Sie tun müssen, um im Rennen zu bleiben.

    6. August 2026
    12 Min. Lesezeit

    Die wichtigsten Erkenntnisse

    2026 ist BIM im polnischen Vergabewesen formal noch freiwillig, faktisch aber die Eintrittskarte zu großen Ausschreibungen. Die zentralen Fakten:

    • Das Vergabegesetz (Art. 69 Abs. 4) erlaubt Auftraggebern, besondere elektronische Werkzeuge zu verlangen - einschließlich elektronischer Bauwerksdatenmodellierung. Immer mehr nutzen diese Möglichkeit.
    • Die Roadmap des Entwicklungsministeriums sieht eine BIM-Pflicht für Aufträge über 410 Mio. EUR bis 2025 und verpflichtendes BIM in allen Aufträgen bis 2030 vor. Der SMART-Bericht fordert BIM Level 2 ab 2026.
    • BIM Standard PL (2020, konform mit ISO 19650, positiv bewertet vom Amt für öffentliches Auftragswesen) ist der faktische Referenzstandard in Ausschreibungen.
    • 41 % der Architekten in Polen arbeiten bereits mit BIM - fehlende BIM-Kompetenz begrenzt den Zugang zu einem wachsenden Pool öffentlicher Aufträge.
    • Polen ist eines der letzten EU-Länder ohne formales BIM-Mandat - die schrittweise Einführung beginnt bei Ihnen, nicht beim Gesetz.

    Warum BIM im Vergabewesen gerade jetzt entscheidend wird

    Öffentliche Aufträge sind das wichtigste Instrument des Staates für Infrastruktur - Krankenhäuser, Straßen, Schulen, Industrieanlagen. Das Entwicklungsministerium sieht BIM seit Jahren als Weg zu effizienterem Einsatz öffentlicher Mittel. BIM überführt die klassische Projektabwicklung in einen digitalen Prozess, in dem Fehler vor Baubeginn erkannt werden - nicht auf der Baustelle.

    Große Baustelle mit Kränen und Gerüsten rund um ein modernes öffentliches Gebäude, realisiert mit BIM

    Reale Probleme des traditionellen öffentlichen Bauens:

    • Budgetüberschreitungen von 20-30 % - weil manuelle Massenermittlungen Kollisionen zwischen Gewerken ignorieren.
    • Verzögerungen von bis zu 40 % - weil die Koordination auf Papier statt im Modell stattfindet.
    • Steigende Betriebskosten nach der Übergabe - weil digitale Bestandsdokumentation fehlt.

    Aus Sicht des Staates erfüllt BIM drei konkrete Funktionen: Kostenkontrolle (präzise Massen und Simulationen), Terminkontrolle (4D-Terminplanung - Verknüpfung von Modell und Bauablauf zur Fortschrittskontrolle) sowie Asset-Management nach Vertragsende, wo das BIM-Modell zum digitalen Zwilling wird. BIM wirkt über den gesamten Lebenszyklus und ermöglicht Energie- und Lebenszykluskostenanalysen.

    BIM taucht in polnischen öffentlichen Ausschreibungen seit 2014 auf. Schon heute enthalten zentrale Aufträge - Krankenhäuser, Hochschulen, große Straßenprojekte - BIM-Anforderungen. Für Bau- und Planungsunternehmen wird BIM zur Eintrittskarte in große öffentliche Projekte.

    Rechtsgrundlage - Vergabegesetz und Richtlinie 2014/24/EU

    Die konkreten Artikel und Daten - ohne lange Kommentare.

    Richtlinie 2014/24/EU (Art. 22 Abs. 4)

    • Erlaubt Mitgliedstaaten, den Einsatz besonderer elektronischer Werkzeuge - einschließlich elektronischer Bauwerksdatenmodellierung - bei Bauaufträgen und Wettbewerben zu verlangen.
    • Verpflichtet Auftraggeber, alternative Zugangswege zu BIM-Werkzeugen anzubieten, solange diese nicht allgemein verfügbar sind.

    Vergabegesetz (Art. 69 Abs. 4)

    • Lässt ausdrücklich die Forderung nach Werkzeugen der elektronischen Bauwerksdatenmodellierung bei Bauaufträgen und Wettbewerben zu.
    • Das Amt für öffentliches Auftragswesen bestätigt in offiziellen Auslegungen, dass damit BIM gemeint ist.

    Die Vorschriften erlauben nicht nur, das Lesen von BIM-Dokumentation zu verlangen, sondern den gesamten Planungs- und Realisierungsprozess in BIM zu führen - sofern die Anforderungen in den Vergabeunterlagen / im EIR korrekt beschrieben sind.

    BIM-Mandat - was es ist und wie Polen im europäischen Vergleich steht

    Ein BIM-Mandat ist eine gesetzliche oder staatliche Pflicht zur Anwendung von BIM in bestimmten Kategorien öffentlicher Aufträge. Die Formen unterscheiden sich - von harter Pflicht bis zur stufenweisen Einführung mit Wertgrenzen.

    • Es ist die letzte Stufe einer nationalen BIM-Strategie - nach Pilotprojekten, Empfehlungen und freiwilliger Anwendung.
    • Öffentliche Aufträge können dann nur an Unternehmen vergeben werden, die die BIM-Anforderungen erfüllen (Kompetenzen, Software, Prozesse).

    Vergleich mit Europa

    LandStatus des BIM-MandatsKernfakt
    GroßbritannienBIM Level 2 verpflichtend seit 2016Berichtete Einsparungen von ca. 20 % der Investitionskosten
    Deutschland, Spanien, ItalienVerpflichtendes BIM für ausgewählte Kategorien seit 2017/2018Der Anwendungsbereich wächst
    Skandinavische LänderBIM seit über einem Jahrzehnt MarktstandardFaktische Marktpflicht
    PolenKein formales MandatRegierungsfahrplan in Richtung verpflichtendes BIM

    Polen hat noch kein formales BIM-Mandat - es gibt jedoch eine Roadmap, und Auftraggeber schreiben BIM bereits eigenständig vor. Mandate im Ausland betreffen polnische Unternehmen direkt: ohne BIM-Kompetenz und Standardkonformität (COBie, IFC) scheidet man aus internationalen Verfahren aus.

    BIM-Roadmap und Digitalisierung des Bauprozesses in Polen

    Planungsbüro mit Monitoren, die 3D-Architekturmodelle und Tragwerkspläne in BIM zeigen

    Roadmap zur Einführung der BIM-Methodik im öffentlichen Vergabewesen

    • Entstanden im Projekt „Digitalisierung des Bauprozesses in Polen“, bis 2020 umgesetzt mit dem Entwicklungsministerium, PwC, BIM Klaster und der Kanzlei DZP.
    • Ziel war die Planung einer stufenweisen BIM-Einführung in öffentlichen Bauvergaben.
    • 2020 wurde die Roadmap zur BIM-Einführung veröffentlicht.

    Rahmentermine aus der Roadmap

    Bis 2025 - BIM verpflichtend in öffentlichen Projekten über 410 Mio. EUR.
    Bis 2030 - BIM verpflichtend in allen Aufträgen, ausgeweitet auf alle öffentlichen Bauvergaben.
    Der SMART-Bericht fordert BIM Level 2 ab 2026 - noch ein Branchenpostulat, kein Gesetz.

    Das Projekt „Digitalisierung des Bauprozesses“ umfasste den elektronischen Umlauf von Bauunterlagen (E-Anträge, elektronisches Bautagebuch), die Integration von Geodaten und die Grundlage für eine breitere BIM-Nutzung. BIM in Polen bleibt weitgehend freiwillig, wird aber zunehmend eingesetzt.

    Im März 2022 wurde beim Ministerium für Entwicklung und Technologie eine BIM-Arbeitsgruppe eingerichtet, die detaillierte Standards erarbeitet, die Roadmap aktualisiert und Empfehlungen für das Vergabewesen gibt. Beteiligt sind Branchenorganisationen - PIIB, Bezirkskammern und BIM-Verbände. Die Roadmap ist Teil eines größeren Digitalisierungsprogramms (qualifizierte E-Signaturen, vertrauenswürdiges Profil, digitale Dokumentenarchive).

    BIM Standard PL und Informationsstandards im Vergabewesen

    BIM Standard PL ist ein praxisnahes Dokument zur Abwicklung von Hochbauprojekten in BIM - und der wichtigste polnische Referenzstandard in öffentlichen BIM-Ausschreibungen.

    • BIM Standard PL wurde im Juli 2020 veröffentlicht und ist konform mit ISO 19650.
    • Umfang: Verantwortungsverteilung, Informationsstruktur, Detaillierungsgrade der Modelle (LOD/LOI), Regeln für die Arbeit im CDE.
    • Erarbeitet von der Branche (u. a. PZPB, PZITB, SARP, Budimex, Warbud, Skanska, PORR) und positiv bewertet vom Amt für öffentliches Auftragswesen.

    Auftraggeber verweisen zunehmend auf BIM Standard PL in ihren Unterlagen, Planer und Ausführende nutzen ihn als Basis eigener Verfahren. Er verweist auf PN-EN ISO 19650 (Informationsmanagement über den Lebenszyklus) und einheitliche Austauschformate (IFC).

    In öffentlichen BIM-Ausschreibungen erscheinen bereits: EIR (Informationsanforderungen des Auftraggebers), BEP (BIM-Abwicklungsplan), TIDP/MIDP (Informationslieferpläne). Wer bieten will, sollte eigene Vorlagen nach BIM Standard PL entwickeln - das verkürzt die Reaktionszeit auf jede Ausschreibung.

    Rolle von Branchenorganisationen und öffentlichen Institutionen

    BIM im Vergabewesen ist nicht nur Regulierung - es ist das Ergebnis der Arbeit konkreter Institutionen.

    PIIB

    Verabschiedete im Februar 2020 eine BIM-Strategie. Im September 2020 wurde eine BIM-Kommission mit Vertretern fast aller Bezirkskammern gegründet, die an der Digitalisierung des Bauprozesses arbeitet und mit der Bauaufsicht kooperiert.

    Ministerium für Entwicklung und Technologie

    Koordiniert die nationale BIM-Strategie. Die Abteilung für Architektur, Bauwesen und Geodäsie verantwortet die BIM-Arbeiten.

    Amt für öffentliches Auftragswesen

    Begutachtet Standards (z. B. BIM Standard PL) und gibt Auslegungen dazu heraus, wie BIM-Anforderungen vergaberechtskonform formuliert werden.

    Unterstützende Organisationen

    BIM Klaster, Verband BIM für das polnische Bauwesen, Stiftung ECCBIM, V4 BIM Task Group - Förderung guter Praxis, Schulungen und internationaler Austausch. Die Europäische Kommission (DG Reform) unterstützte das Digitalisierungsprojekt.

    Reale öffentliche Aufträge mit BIM-Anforderung

    BIM im Vergabewesen ist keine Theorie. Was auf dem Markt passiert:

    Erweiterung der Anlage ZUSOK in Warschau - großes Infrastruktur- und Industrieprojekt mit BIM-Modellen zur gewerkeübergreifenden Koordination.
    Straßenprojekte - ausgewählte Umgehungsstraßen und Abschnitte von Nationalstraßen, bei denen BIM Geometrie und Erdarbeiten koordinierte.
    Dokumentation von Krankenhäusern und Hochschulbauten - BIM-Modelle in der Planungsphase und für das spätere Facility Management.

    41 % der Architekten in Polen arbeiten bereits mit BIM - der Trend steigt, auch wenn eine Lücke zwischen privatem und öffentlichem Sektor bleibt. Viele Auftraggeber nutzen einen „Push-Pull“-Ansatz: einige fordern BIM direkt, andere bewerten es in der Angebotswertung mit Punkten - beides erzwingt BIM-Kompetenz. BIM erhöht die Kostenvorhersagbarkeit und die Qualitätskontrolle.

    Die Zahl der BIM-Verfahren wächst Jahr für Jahr - meist hochwertige Aufträge, die für Referenzen entscheidend sind.

    Was das für Planungsbüros und Bauunternehmen bedeutet

    Konkrete Folgen - realer Einfluss auf Umsatz und Risiko Ihres Unternehmens.

    Geschäftliche Folgen

    • Fehlende BIM-Kompetenz bedeutet schrittweisen Ausschluss aus Ausschreibungen oberhalb bestimmter Schwellen - langfristig aus den meisten öffentlichen Bauaufträgen.
    • Wer früher einsteigt, baut ein Referenzportfolio auf, bevor ein hartes Mandat kommt - ein messbarer Vorteil bei der Bewertung der Erfahrung.

    Organisatorische Folgen

    • Umstieg von 2D/CAD auf BIM-Modelle (Revit, Tekla, Archicad). Jeder Nachunternehmer muss Daten im IFC-Format austauschen können.
    • Aufbau interner Standards (Benennung, Vorlagen, Familienbibliotheken) konform mit EIR und BIM Standard PL.
    • Veränderte Zusammenarbeit - Arbeit im CDE und Austausch von IFC-Modellen.

    Harte Zahlen

    -40 %
    Fehler auf der Baustelle
    -25 %
    Planungszeit
    20-30 %
    typische Budgetüberschreitung ohne BIM

    Frühere Kollisionserkennung bedeutet weniger Nacharbeit und geringere Vertragsstrafen. Für die Geschäftsführung ist BIM nicht nur Schulungs- und Lizenzkosten - es ist eine Investition in die Margenkontrolle.

    Wie Sie Ihr Unternehmen auf das kommende BIM-Mandat vorbereiten

    Ingenieurteam im Planungsbüro bei der Arbeit an 3D-BIM-Modellen

    Für die wachsende Zahl an BIM-Ausschreibungen brauchen Sie ein Einführungskonzept - nicht nur eine Revit-Lizenz.

    1. 1Ist-Analyse - bisherige Projekte, Kompetenzen des Teams, Software, Teilnahme an öffentlichen Verfahren.
    2. 2Auswahl von Software und Werkzeugen - Revit als führendes Autorenwerkzeug, browserbasierter Modell-Viewer (z. B. Conpass), CDE nach Anforderungen der Auftraggeber.
    3. 3Schulung des Teams - kurze, intensive Zyklen auf Basis realer Ausschreibungsunterlagen.
    4. 4Konfiguration der Arbeitsumgebung - Vorlagen, Bibliotheken, Benennungsstandards nach BIM Standard PL und ISO 19650.
    5. 5Pilotprojekt - am besten eine kleinere öffentliche Investition oder ein privater Auftrag, um Prozesse vor großen Ausschreibungen zu testen.

    Die BIM-Einführung in einem kleinen oder mittleren Büro dauert typischerweise 2 bis 4 Monate - sie sollte nicht warten, bis BIM Vertragsbedingung wird.

    Entscheidend ist die BIM-Managementdokumentation: eigene BEP-Vorlagen, Qualitätsverfahren (Modellprüfung, Benennung, Versionierung) und Regeln der Zusammenarbeit. Viele Unternehmen nutzen bei den ersten Projekten externe Expertise - Outsourcing wirkt dann als „externe BIM-Abteilung“ und ermöglicht den Einstieg ohne vollständige interne Kompetenz ab Tag eins.

    FAQ

    Ist BIM 2026 im polnischen Vergabewesen verpflichtend?

    Formal gibt es 2026 noch keine allgemeine BIM-Pflicht. Das Vergabegesetz (Art. 69 Abs. 4) erlaubt Auftraggebern, Werkzeuge der elektronischen Bauwerksdatenmodellierung zu verlangen; die Zahl solcher Verfahren steigt. BIM ist noch nicht Pflicht, wird aber Marktstandard. Der SMART-Bericht fordert BIM Level 2 ab 2026.

    Wann wird BIM in allen öffentlichen Ausschreibungen tatsächlich Pflicht?

    Die Roadmap des Entwicklungsministeriums sieht BIM in öffentlichen Projekten über 410 Mio. EUR bis 2025 und eine flächendeckende Anwendung bis etwa 2030 vor. Branchenberichte (SMART) empfehlen eine Beschleunigung auf BIM Level 2; die endgültige Form hängt von Gesetzgebungsentscheidungen ab. Die Einführung erfolgt stufenweise.

    Was ist ein BIM-Mandat und gibt es ein einheitliches Mandat für ganz Polen?

    Ein BIM-Mandat ist eine Regierungspolitik, die BIM in bestimmten öffentlichen Aufträgen vorschreibt. In Polen gibt es dafür noch keinen übergeordneten Rechtsakt - es existieren eine Roadmap, Ministerialstrategien und die Befugnisse der Auftraggeber nach dem Vergabegesetz. Polen ist eines der letzten EU-Länder ohne formales Mandat, die Richtung ist aber klar.

    Muss ein kleines Planungsbüro jetzt schon in BIM investieren, wenn es nur kleinere Ausschreibungen bedient?

    Kurzfristig laufen manche kleineren Verfahren weiter ohne BIM. Trend und Roadmap sind jedoch eindeutig - die Zahl der BIM-Ausschreibungen wächst und die Einführung dauert Monate. 41 % der Architekten in Polen arbeiten bereits mit BIM; wer wartet, verliert Zeit beim Aufbau von Referenzen. Beginnen Sie mit einem kleinen Pilotprojekt.

    Welche BIM-Dokumente erscheinen am häufigsten in Vergabeunterlagen?

    Auftraggeber verlangen zunehmend die Abwicklung nach EIR (Informationsanforderungen des Auftraggebers), BEP (BIM-Abwicklungsplan), eine Struktur nach BIM Standard PL und PN-EN ISO 19650 sowie Modelle in offenen Formaten wie IFC. Wer diese Dokumente vorbereitet, hat in jeder BIM-Ausschreibung einen Vorsprung.

    Bieten Sie auf eine Ausschreibung mit BIM-Anforderung?

    Senden Sie uns die Vergabeunterlagen oder das EIR - wir prüfen die BIM-Anforderungen, bewerten die Reife Ihres Teams und schlagen einen Unterstützungsumfang als externe BIM-Abteilung vor.